„Ich hatte immer das Gefühl, die Anamnese ist nicht umfassend genug“ 

– Im Gespräch mit Impfpilotin Dr. Katrin Fröba über die Digitalisierung ihrer Praxis und die Umstellung auf Idana

Im thüringischen Bad Lobenstein arbeitet Dr. Katrin Fröba. Die Hausärztin ist eine der ersten, die in der Impfkampagne auf Idana setzt und bei der Corona-Schutzimpfung auf digitale Prozesse umgestellt hat. Ihren Impfbetrieb organisiert sie mit Online-Terminvergabe und Telefonassistenten, für Impfaufklärung und Einwilligung gemäß der offiziellen Schutzimpfungsrichtlinie nutzt sie die Corona-Inhalte von Idana.

Im zweiten Teil unserer Interview-Serie „Im Gespräch mit Impfpilotin Dr. Fröba“ geht es um die Digitalisierungsgeschichte der Hausärztin, ihre Motivation und die Herausforderungen auf dem Weg zur nahezu papierlosen Praxis. Wie Praxisteam und Patienten auf die digitale Patientenaufnahme reagiert haben, können Sie hier außerdem nachlesen.

 

Frau Dr. Fröba, Terminvergabe, intelligenter Anrufbeantworter und digitale Anamnese – in Ihrer Praxis läuft vieles schon mit digitaler Unterstützung. Was war die Motivation dahinter?

Nach der Facharztausbildung wollte ich erst einmal keine eigene Praxis aufmachen. Stattdessen habe ich zwölf Jahre lang als selbstständige Praxisvertreterin gearbeitet. Auf diese Weise habe ich viele verschiedene Praxissituationen und auch viele Praxisverwaltungssysteme kennengelernt. Viele Praxen haben ausschließlich mit Papier gearbeitet. Als die digitale Abrechnung eingeführt wurde, führte das zur Doppeldokumentation in Papier und auf dem Computer. Spätestens da stand für mich fest, dass ich meine Praxis papierlos haben möchte. Schritt für Schritt habe ich dann geschaut, wo sich Papier einsparen und wie sich der Praxisalltag komfortabler für alle Beteiligten gestalten lässt.

Und warum genau Idana?

Dass ich mich gleich für Idana begeistern konnte, liegt daran, dass ich nicht besonders fähig dazu bin, blind Tastatur zu schreiben (lacht). Das ist ein wirkliches Problem in der Allgemeinarztpraxis und im Arzt-Patienten-Gespräch.

Ich möchte alle Informationen über den Patienten einholen und auch ein empathisches Gespräch führen, und dann soll man gleichzeitig auch alle Formalitäten erledigen, Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Rezepte, Überweisungen, Arzneimittelverodnung und so weiter. Das muss alles in 5 bis 10 Minuten erledigt sein. Und zugleich soll man die ganze Anamnese mitdokumentieren. Vieles lässt sich ja automatisieren, die Ziffern und Formulare sind meist mit einem Mausklick erledigt, aber die Anamnese muss händisch eingegeben werden.

Ich hatte immer das Gefühl hatte, ich mache das nicht gut genug, die Anamnese ist nicht korrekt und nicht umfassend. Man versucht dann auch, das auf ein paar Klicks zu reduzieren, aber die Feinheiten, die der Patient mitteilen will, fallen in einer standardisierten Anamnese weg.

Bei Idana kommt der Patient richtig zu Wort und kann sich richtig mitteilen. Alles, was wichtig ist, was man aber in 10 Min nicht erfassen , geschweige denn niederschreiben kann, das kann der Patient in Ruhe zu Hause kommunizieren.

Hatten Sie Bedenken, sich bei der Anamnese, einem Kerngeschäft des Arztberufs digitale Unterstützung zu holen?

Dass ich Idana einsetze, hängt auch damit zusammen habe, dass ich Vertrauen habe in eine Firma, die sich bei der „KBV Zukunftspraxis“ beworben hat, und in die KBV, die für die Zukunftspraxis nur Projekte auswählt, die dem Datenschutz entsprechen. Ich kann mich darum nämlich nicht kümmern, denn ich bin weder Jurist noch IT-Experte. Wir Ärzte haben zwar die Verantwortung, können aber die Technik dahinter nicht beurteilen. Deswegen müssen wir uns darauf verlassen können, dass die Lösungen, die von anderen Gremien zertifiziert sind, für uns korrekt sind.

Es ist immer erst einmal eine große Scheu da, weil jeder das Gefühl hat, er verstünde die Prozesse nicht, die hinter einer Software stehen. Aber: Ich muss das gar nicht verstehen, ich muss das nur nutzen und darf mich darauf verlassen, dass diejenigen, die mir diese Technik bereitstellen, diese Thematik überblicken und für die Sicherheit sorgen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, der aber natürlich Vertrauen in die entsprechenden Anbieter voraussetzt.

Im ersten Teil unseres Interviews hatten Sie gesagt, dass Patienten sich über die fehlende Digitalisierung in den Arztpraxen eher wundern. Wie reagieren Ihre Patienten, insbesondere die älteren, denn jetzt auf Idana? 

Viele denken, die älteren Patienten, gerade die Ü-70-Jährigen, könnten nicht mit Technik umgehen. So ist das aber nicht. Spätestens seit einem Jahr, seit Corona, kann auch diese Gruppe skypen, facetimen und so weiter. Ich habe den Eindruck, das hängt wirklich nur an der Bedienbarkeit der Technik.

Je einfacher die Technik für die Oberflächenbenutzer ist, desto weniger Probleme gibt es. Ich nehme mich davon gar nicht aus. Ich verstehe auch nicht, was hinter der Blackbox Bildschirm passiert. Wie gesagt: Ich muss mich darauf verlassen, dass es funktioniert. Und bei den älteren Patienten ist es genauso: Die können mit ganz vielen Dingen umgehen, zum Beispiel auch mit der TV-Fernbedienung, die sind oft kompliziert genug (lacht).

Das alles lernen ältere Patienten – was soll sie also daran hindern, auf einfach digitale Lösungen im Arzt-Patienten-Kontakt zurückzugreifen? Und ältere Personen erhalten ja in der Familie auch Hilfestellung, ein paar Mal gezeigt und dann können sie das auch allein.

Übrigens, der erste Patient, der sich mit dem Idana Check-In bei uns für einen Termin zur Corona-Schutzimpfung angemeldet hat, ist 90 Jahre alt.

[Wie reagieren Patienten auf Idana? Lesen Sie hier, was andere Ärzte berichten > https://idana.com/das-sagen-aerzte-ueber-die-akzeptanz-von-idana-bei-patienten]

Und wie hat Ihr Praxisteam reagiert?

Ich habe sehr fähige und flexible Arzthelferinnen, die für alles aufgeschlossen sind und auch auf Idana sehr positiv reagiert haben. Natürlich ist das immer erst eine Herausforderung, bis neue Abläufe integriert sind, und manchmal hakt es dann trotzdem noch irgendwo (lacht). Das letzte Windows-Update zum Beispiel hat uns auf Trab gehalten. Aber das sind Dinge, mit denen wir mittlerweile umgehen können.

Außerdem: Es gibt ja nicht nur die Arzt-Patienten-Beziehung, auch das Praxispersonal steht in Beziehung mit den Patienten. Da unterstützt Technologie ebenfalls, denn sie versetzt die Arzthelferinnen in die Lage, ihre Arbeit selbst zu strukturieren und langfristig zu vereinfachen. Und es stärkt das Praxisteam in seiner Position, wenn es die Möglichkeit erhält, die Beziehung zum Patienten zu gestalten.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Steckbrief Praxis Dr. Katrin Fröba

Die Ärztin: Frau Dr. med. Fröba ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und blickt zurück auf 31 Jahre Berufserfahrung, seit 2007 ist sie als niedergelassene Ärztin im thüringischen Bad Lobenstein tätig. Ihre Praxis ist Teil des Pilotprojekts der KV Thüringen für Impfungen in Hausarztpraxen.

Praxis und Praxisteam: Die Praxis Dr. Fröba ist eine typische Kleinstadt-Einzelpraxis, in der pro Quartal etwa 1500 PatientInnen behandelt werden. Unterstützt wird Frau Dr. Fröba von einem dreiköpfigen Praxisteam, zwei MFAs und eine nicht-ärztliche Praxisassistentin für die Hausbesuche.

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