Randomisierte Studie der Philipps-Universität Marburg zur digitalen Anamnese mit Idana
- Produkt
- Wissenswertes aus der Praxis
Forschende der Philipps-Universität Marburg haben die digitale Anamnese mit Idana in Rheumatologie, Dermatologie und Orthopädie untersucht, mit Zufallsverteilung und Vergleichsgruppe. Das Ergebnis: Mit der digitalen Anamnese vor dem Termin stand jede festgelegte Screening-Angabe in der Akte.
Warum fehlen Screening-Angaben so oft in der Dokumentation?
Die Sprechstunde ist knapp. Trotzdem soll am Ende alles in der Akte stehen, was für das Screening auf entzündlich-rheumatische Erkrankungen zählt: in der Rheumatologie bei neu überwiesenen Menschen, in der Dermatologie bei Psoriasis und in der Orthopädie bei chronischem Rückenschmerz. Bei Psoriasis wird sogar empfohlen, alle 6 bis 12 Monate gezielt nach Hinweisen auf eine Psoriasis-Arthritis zu fragen.
Im Alltag geht dabei einiges verloren. Manche Fragen fallen im Gespräch unter den Tisch. Andere werden gestellt, landen aber nicht in der Dokumentation, weil die Antwort gerade unauffällig wirkte. Und was nicht in der Akte steht, löst seltener den nächsten Schritt aus, etwa die Überweisung zur Rheumatologie.
Eine neue Studie hat sich genau das angesehen. Sie ist 2026 vorab online in der Fachzeitschrift BMC Health Services Research erschienen. Untersucht wurde die digitale Anamnese vor dem Termin in drei Fachrichtungen, eingesetzt wurde dafür Idana.
Wie war die Studie aufgebaut?
Die MAESTRI-Studie ist eine randomisierte Pilotstudie an mehreren Standorten. Federführend war das Institut für Digitale Medizin der Philipps-Universität Marburg, beteiligt waren außerdem die Justus-Liebig-Universität Gießen, das Rheumazentrum Mittelhessen und weitere Partner. Ein Ethikvotum liegt vor. Registriert ist die Studie im Deutschen Register Klinischer Studien.
43 Erwachsene haben teilgenommen, alle mit erhöhtem Risiko für eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie kamen aus zwei rheumatologischen Zentren, eines davon universitär, sowie aus je einer dermatologischen und einer orthopädischen Universitätsambulanz. Das Los entschied: 22 Menschen nutzten Idana, 21 durchliefen die übliche Versorgung.
Wer in der Idana-Gruppe war, bekam vor dem Termin einen Link. Dahinter lag ein Fragebogen, den die jeweilige Klinikleitung mitentwickelt hatte, mit 42 Fragen in der Rheumatologie, 20 in der Orthopädie und nur 10 in der Dermatologie. Aus den Antworten erstellte Idana eine strukturierte Zusammenfassung. Die ärztliche Seite konnte sie direkt in die Dokumentation kopieren.
Gezählt wurde am Ende, wie viele der festgelegten Screening-Angaben tatsächlich in der Dokumentation standen. Wer die Akten bewertete, wusste nicht, aus welcher Gruppe sie kamen.
Wie vollständig war die Dokumentation?

Die Zusammenfassung stand in allen 22 Akten der Idana-Gruppe. In der Vergleichsgruppe fehlte im Median mehr als die Hälfte der Angaben in der Dokumentation. Der Unterschied zeigte sich in allen drei Fachrichtungen. Am deutlichsten war der Abstand in der Orthopädie.
Welchen Nutzen das haben könnte, beschreibt die Studie an einem Fall. Eine der fünf Personen aus der orthopädischen Idana-Gruppe gab im Fragebogen alle Hinweise auf eine axiale Spondyloarthritis an. Die Person wurde mit der Zusammenfassung zur rheumatologischen Abklärung überwiesen.
Wie kam die digitale Anamnese an?
Alle 22 Menschen aus der Idana-Gruppe würden die Software wieder nutzen. Ebenso viele fanden die Fragen verständlich und den Aufwand angemessen, 21 nannten die Bedienung einfach. Wie lange das Ausfüllen dauerte, wurde nicht systematisch gemessen. Beobachtet haben die Forschenden etwa 5 Minuten in der Dermatologie, 10 in der Orthopädie und 15 in der Rheumatologie.
Auch über beide Gruppen hinweg fiel die Bewertung positiv aus. 41 von 43 Befragten würden vor künftigen Terminen digitale Fragebögen ausfüllen, 40 von 43 glauben, dass sich die Zeit mit der Ärztin oder dem Arzt so sinnvoller nutzen lässt.
Welchen Vorteil nannten die Befragten in den freien Kommentaren am häufigsten? Die erwartete Zeitersparnis, für beide Seiten. Mehrere schätzten außerdem, dass sie sich zu Hause in Ruhe an Symptome und Vorgeschichte erinnern konnten, mit weniger Stress als im Termin selbst. Kritische Stimmen gab es auch, etwa zur technischen Zuverlässigkeit und zur Frage, ob ältere oder weniger digital erfahrene Menschen gut damit zurechtkommen. Einigen war wichtig, dass der Fragebogen das Gespräch ergänzt und nicht ersetzt.
Von der ärztlichen Seite liegen nur sechs Bewertungen vor. Alle sechs würden digitale Vorab-Fragebögen künftig anbieten, bei dieser kleinen Zahl raten die Forschenden aber selbst zur Vorsicht.
Was sagt die Studie aus und was nicht?
Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass sich die Angaben der Patientinnen und Patienten deutlich zuverlässiger in der Akte fanden als bei üblicher Versorgung. Voraussetzung: Sie lagen strukturiert und in einem direkt übertragbaren Format vor.
Die Zahlen wollen allerdings richtig gelesen werden. Es handelt sich um eine Pilotstudie mit 43 Teilnehmenden, und Fragebogen und Prüfliste beruhten auf denselben Angaben. Dazu kommt, dass die Zusammenfassungen fast wörtlich übernommen wurden. Die Vergleichsgruppe zeigt also, was in der Akte stand, und nicht unbedingt, was im Gespräch gefragt wurde. Außerdem mussten alle Teilnehmenden ausreichend Deutsch können und ein internetfähiges Gerät sowie eine E-Mail-Adresse haben. Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte wussten zudem, wer zu welcher Gruppe gehörte. Ein Beobachtungseffekt auf die Dokumentation ist deshalb nicht ausgeschlossen.
Ob Erkrankungen dadurch früher erkannt werden, hat die Studie nicht gemessen, ebenso wenig die Zeitersparnis in der Praxis. Das sollten größere Studien klären, empfehlen die Forschenden. Die medizinische Verantwortung bleibt ohnehin beim Fachpersonal: Idana erfasst und strukturiert, beurteilen muss die ärztliche Seite.
Was bedeutet das für Ihre Praxis?
Angaben, die vor dem Termin strukturiert erfasst werden, liegen im Gespräch bereit und müssen danach nicht abgetippt werden. Dass diese Angaben dann auch vollständig in der Akte landen, zeigt jetzt eine randomisierte Pilotstudie für Rheumatologie, Dermatologie und Orthopädie. Idana bringt dazu über 400 ärztlich geprüfte Fragebögen mit.
Sie möchten sehen, wie das in Ihrer Fachrichtung aussieht? In einer Online-Demo von rund 60 Minuten zeigen wir es Ihnen.
Quelle: Roemer A, Wilhelmi T, Fink D, et al. Effect of pre-visit computer-assisted history-taking with a structured copy-ready summary on documentation completeness in screening for inflammatory rheumatic diseases: a randomized pilot study. BMC Health Services Research (2026). https://doi.org/10.1186/s12913-026-15808-0. Lizenz: CC BY 4.0. Inhalte aus dem Englischen übersetzt und zusammengefasst durch Idana.